Via Francigena · Tag 13
Gallina → Radicofani
19,0 km · 23. Mai 2026

Allein bergauf, abends den Kopf gewaschen
Ich hab den ganzen Vormittag darüber nachgedacht, was gestern Abend passiert ist. Gestern Abend waren wir in einer Herberge, wo wir eigentlich nichts anderes hätten machen können als gemeinsam kochen, und das ist eigentlich immer total schön, wenn man mit den Leuten, mit denen man schon seit paar Tagen zusammen geht und zusammen ist oder sich ständig trifft, gemeinsam kocht. Das hatten wir auch vor, wollten wir machen, aber von Cristina kam eine Freundin, die dann mit ihr auch weitergelaufen ist, und das alleine wär vielleicht noch nicht ganz so schlimm gewesen, aber da waren auch noch zwei Freunde dabei. Die drei, die da neu dazu kamen, waren alle wahnsinnig aufgedreht. Die waren halt irgendwie froh, dass sie sich wieder getroffen haben — ist ja auch irgendwie verständlich, die hatten auch einen schönen Tag und Cristina und Heather hatten sich ewig lange nicht gesehen. Also die vier mit Kristina, genau, Kristina kannte eine davon, und die kamen zu dritt an. D.h. wir waren dann, unsere Camino Family und die anderen drei. Und erst mal: die kamen da an und haben irgendwie die ganze Küche belagert, und nicht nur so, dass sie ihr Essen mitgebracht haben und gleich gekocht haben, sondern die waren so laut. Die haben den ganzen Raum nicht nur mit ihrem Essen eingenommen, sondern auch im wahrsten Sinne des Wortes den kompletten Raum eingenommen mit ihrer Lautstärke und mit ihrer Präsenz. Und gerade nach so einer schweren Etappe war das für mich irgendwie echt nicht so schön, keinen so schönen Abend gehabt.

Aber gut, gestern Abend war es eigentlich auch in Ordnung alles, aber ich bin dann eh früh ins Bett gegangen, weil ich so müde war. Insofern alles gut.

Und dann heute, hab ich sie an einem Tisch getroffen, da saßen die, und ich hab mich kurz dazugesetzt, kurz was gegessen, kurz was getrunken, und dann aber gemerkt, dass die auch wieder so aufgedreht waren. Dann hab ich gesagt, ich muss jetzt weitergehen, und bin einfach weitergegangen. Bin eigentlich den ganzen Tag alleine gegangen. Marianne ist glaube ich mit dem Bus gefahren an dem Tag, Rob ist auch mit dem Auto gefahren, Mirjam weiß ich gar nicht wo die war, die war glaube ich nach mir, hab ich nicht gesehen, und Cristina war eh mit den andern — die war da gut aufgehoben.

Auf jeden Fall war das wieder ein bisschen anstrengender Tag, weil es ging ganz schön bergauf den ganzen Tag, wir sind ganz schön hoch gelaufen, bis auf — ich glaub das war der höchste Punkt des Weges — über 800 m oder so, in Radicofani. Und da haben wir in einer wunderbaren, ganz ganz schönen Donativo übernachtet, direkt an der Kirche, direkt am Hauptplatz, das war schon mal richtig cool.

Erst mal hab ich mich mit denen dreien, die da gestern zu uns gestoßen sind, wunderbar verstanden, total nett. Nagut, wir haben auch zwei Aperol Spritz intus gehabt. Der Typ war total cool, ein richtig netter Typ eigentlich, und Heather war auch total okay, die andere auch. Mit der dritten hab ich da weniger gesprochen. Die haben mich einmal kurz in Radicofani getroffen, aber eigentlich unwichtig.
Und dann, Abends war ich mit Cristina und Mirjam beim Essen. Das war ein sehr denkwürdiges Essen. Die haben mir so richtig den Kopf gewaschen, worüber ich heute noch oft nachdenke. Wir hatten eine sehr lebhafte und richtig gute Diskussion. Für mich war's ein bisschen hmmm… weil die haben mich, völlig zurecht… also das war total okay, was sie gesagt haben, aber es ging mir ein bisschen nahe, war ein bisschen nicht so einfach, sag ich mal. Aber danach war's dann doch wieder sehr lustig. Aber das Tollste war einfach dieses Dorf — das war so ein wahnsinnig nettes Dorf, total schön, total süß hergerichtet, ich hab mich da total wohl gefühlt. Trotz dieses vielleicht ein bisschen anstrengenden Essens mit den zweien.
Es gab abends ein Fest an einem kleinen Platz, da saß ich am Nachmittag schon und hab meinen ersten Aperitif getrunken, und die haben gerade eine Bühne aufgebaut. Auf diesem Platz — ein wunderschöner, total netter Platz mitten in Radovan — gab's eine Party, und die war total nett, total schön, wunderbar. Wir haben ein bisschen gesoffen, ein bisschen gequatscht, eine Band hat gespielt, und es war einfach schön. Ein schöner Abend auf jeden Fall, und ein schöner Tag, ein richtig toller Tag — trotz dieses bisschen aufregenden Gesprächs mit Kristina und Mirjam.





























